(Bio-)Aerosolprobenahmesysteme und Hygienemonitoring

Luftgetragene feste oder flüssige Partikel biologischer Herkunft werden als Bioaerosole bezeichnet. Diese sind ubiquitär in der Umgebungsluft enthalten, sie treten aber auch in der Fortluft technischer Prozesse auf. Dabei können Bioaerosole entweder als isolierte Aerosolpartikel auftreten oder an anderem Partikelmaterial anhaften. Eingeatmete Bioaerosole stellen eine mögliche Ursache für Atemwegserkrankungen dar. Gelangen Bioaerosole in technische Prozesse, ist in Abhängigkeit von den Prozessbedingungen eine Biofilmbildung bzw. Kontamination des Systems möglich. Emissionsseitig stehen Rückkühlanlagen als mögliche Emittenten für Legionellen aktuell ebenso im Fokus wie Bioarerosolemissionen aus Tierhaltungsanlagen. Immissionsseitig erfordern zwangsbelüftete bzw. klimatisierte Gebäude und Produktionsstätten oftmals eine besondere Sorgfalt bei der Luftaufbereitung, da feuchte bzw. warme Anlagenbereiche ideale Vermehrungsbedingungen für Mikroorganismen darstellen. Wird eine derartige Kontamination nicht ausreichend schnell erkannt, ist Anlagenkontamination bzw. die Freisetzung von Bioaerosolen mit der aufbereiteten Zuluft nicht auszuschließen.

IUTA befasst sich in mehreren Forschungs- und Entwicklungsfeldern mit Mess- und Nachweisverfahren von Bioaerosolen innerhalb technischer Anlagen:

Gegenstand von Entwicklungs- und Forschungsarbeiten sind die hygienische Qualität von aufbereiteter Innenraumluft. Als Ergänzung zu den periodischen Kontrollen nach Richtlinie VDI 6022 durch Abklatschprobenahme an den Innenwandungen der RLT-Kanäle wird eine kontinuierliche Detektion der Mikroorganismen angestrebt. Diese soll es erlauben, die hygienische Qualität von RLT-Anlagen zu prüfen und somit Wartungs- und Filterwechselintervalle effektiv gestalten zu können. Eine derart zeitnahe oder kontinuierliche Hygienekontrolle von RLT-Anlagen ist insbesondere bei sensiblen Anwendungen anzustreben.

Ausgehend von den Erfahrungen der Staub- und Aerosolprobenahme werden aktuell von IUTA gemeinsam mit einem Forschungspartner Möglichkeiten der repräsentativen Probenahme und zeitnaher Bestimmung des Legionellengehaltes in Aerosolen untersucht. Im Fokus stehen dabei großvolumige Abluftströme von Rückkühlanlagen, die beispielsweise ein wichtiges Element des Kraftwerksprozesses darstellen bzw. bei vielfältigen technischen Produktionsprozessen sowie auch bei der Raumluftklimatisierung zum Einsatz kommen. Bauartbedingt kann bei diesen Anlagen ein direkter Kontakt zwischen zu Kühlzwecken versprühtem Kühlwasser und der Abluft auftreten, der ggf. im Umlaufwasser befindliche Bioaerosole in die Umgebung freisetzt. Bei der Probenahme von Biaoerosolen sind in der Praxis neben den grundsätzlichen Anforderungen an die repräsentative Aerosolprobenahme an industriellen Emissionsquellen vielfältige weitere Radbedingungen zu berücksichtigen.

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Achim Hugo
hugo@iuta.de
Tel. +49 20 65 / 418 – 257

Aktuelle Projekte

IGF-Forschungsprojekt 19147 N:
Entwicklung eines Monitoringsystems zur kontinuierlichen Überwachung der Hygiene von raumlufttechnischen Anlagen durch kummulative Erfassung von mikrobiellen Luftverunreinigungen mittels ion-jelly-Detektor
Laufzeit: 01.01.2017 – 31.12.2018

UBA-Forschungsprojekt FZK 3716 62 209 0:
Entwicklung eines sensitiven Verfahrens zum routinemäßigen Nachweis von Legionellen in Aerosolen von Verdunstungskühlanlagen
Laufzeit: 01.08.2016 – 31.07.2019